Regenwassernutzung im Garten: Effektive Entlastung für Umwelt und Geldbeutel

In der Sichtweise der meisten Menschen ist Regenwasser ein reines Ärgernis: Es kommt garantiert immer dann vom Himmel, wenn man ohne Schirm draußen ist und sorgt im schlimmsten Fall neben nassen Füssen für feuchte Keller und Wände. Doch die mehreren 100 Milliarden Kubikmeter Regenwasser jährlich können auch sinnvoll genutzt und damit die wichtige Ressource Wasser an vielen Stellen eingespart werden!

So kann Regenwasser, vom Menschen einmal gewonnen, in vielerlei Bereichen sinnvoll eingesetzt werden, beispielsweise im Haushalt in Spülmaschinen, Waschmaschinen, Toilettenspülungen und für die Bewässerung des eigenen Grundstücks bzw. des Gartens.

Ein paar Zahlen zur Orientierung

Aktuell werden jeden Tag von jedem Menschen in Deutschland durchschnittlich 126 Liter Trinkwasser verwendet. Bei diesem ist die Aufbereitung besonders teuer – und es kann sinnvoller genutzt werden als für Toilettenspülungen oder zur Gartenbewässerung. Schließlich werden statistisch gerade einmal drei Liter von diesen 126 Litern Trinkwasser zur Zubereitung von Nahrung verwendet. Mit stolzen 33 Litern führt die Toilette im deutschen Haushalt den täglichen Trinkwasserverbrauch an. Außerdem verwenden wir im Durchschnitt 15 Liter Trinkwasser, um zu putzen und uns die Hände zu waschen sowie sieben Liter für unser Auto und zur Bewässerung des Gartens.

Mit einer sinnvollen Regenwassernutzung können vom Verbraucher in seinem Haushalt immerhin bis zu 50 Prozent des Trinkwassers eingespart werden, indem Regenwasser als Brauchwasser verwendet wird. Dabei kann die Regenwassernutzung im kleinen Maßstab mit der klassischen Regenwassertonne, einer Zisterne oder einem Brunnen realisiert werden. Im größeren Maßstab benötigt es dann eine vollständige Regenwasseraufbereitungsanlage vom Profi. Für diese gibt es mittlerweile seitens des Staates unter bestimmten Voraussetzungen finanzielle Zuschüsse.

Regenwasser für den Gartenpool nutzen – geht das?

Grundsätzlich lässt sich Regenwasser auch für den Gartenpool nutzen, um Wasser und Kosten zu sparen. Allerdings besitzt es meist einen leicht sauren pH-Wert und nimmt Schmutzpartikel, Algen und Vogelkot vom Dach auf, weshalb eine gründliche Filterung und das Anpassen der Wasserwerte (vor allem pH-Wert und Desinfektion) nötig sind. Wer auf eine umweltfreundliche Desinfektion Wert legt, kann das weiche Regenwasser mit Poolsalz versetzen, um es über eine Elektrolyseanlage automatisch zu reinigen. So wird das weiche Naturwasser kristallklar und hautverträglich.

Wie arbeitet eine Regenwassernutzungsanlage?

Grundlage für eine sinnvolle Regenwassernutzung im Haushalt ist zunächst einmal eine fachgerecht installierte Regenwassernutzungsanlage. Diese lässt sich problemlos nachträglich insbesondere bei Bauten mit einem schrägen Dach installieren. Die Anlage besteht aus einem Wasserspeicher aus Kunststoff oder Beton (wichtig: lichtundurchlässig, damit sich keine Algen bilden können!), ein dazu passendes Rohr- und Filtersystem sowie eine auf die individuellen Bedürfnisse angepasste Pumpe. Zudem wichtig: Ein Überlauf für den Fall, dass einmal mehr Regenwasser fällt als aufgefangen werden kann.

Eine solche Anlage muss sowohl beim Wasserversorger als auch beim Gesundheitsamt vor Ort angemeldet werden, bevor man sie nutzen kann. Für den Einbau gelten die gesetzlichen Bestimmungen der Norm DIN 1989-1. Diese sagt unter anderem aus, dass keine direkte Verbindung zwischen dem Trink- und dem Regenwasserkreislauf bestehen darf. Die Kosten für eine fachgerecht installierte Anlage belaufen sich aktuell auf rund 4.000-5.000 Euro.

Schritt für Schritt das Regenwasser nutzen

Zunächst muss das Regenwasser gesammelt werden. Dafür gibt es wahlweise überirdische Systeme (z. B. die klassische Regenwassertonne) oder unterirdische Speicherlösungen. Ein Rohrsystem führt das Wasser vom Hausdach direkt in den Regensammler.

Soll das Regenwasser nun im Haus als Brauchwasser genutzt werden, wird es aus diesem Gefäß erneut durch ein Rohrsystem ins Haus gepumpt und in dessen Wasserversorgung integriert. Ohne Regenwasser sitzt man jedoch nicht direkt auf dem Trockenen – das intelligente System schaltet dann einfach auf die Nutzung von normalem Leitungswasser um. Mit dem richtigen Filter kann man ein solches System zur Regenwassernutzung in die meisten Bereiche des täglichen Lebens integrieren. Einzig vom Trinken des Regenwassers wird abgeraten.

Die wichtigsten Bereiche des täglichen Lebens, in denen Regenwasser ohne Bedenken genutzt werden kann, sind die Gartenbewässerung sowie die Versorgung von Waschmaschine, Spülmaschine und Toilettenspülung. In diesen kann mit der Regenwassernutzung richtig viel Geld gespart werden, zugleich beteiligt man sich aktiv am Schutz der wichtigen (und knappen) Ressource Wasser.

Auch der Gang zur Gemeinde kann sich lohnen: Immer mehr Gemeinden erlassen Besitzern von Regenwassernutzungsanlagen die örtlichen Gebühren für das Dachniederschlagswasser sowie in einigen Fällen die Abwassergebühren für versiegelte Flächen. Bereits eine Dachfläche von 100 Quadratmetern ergibt bei der aktuellen Niederschlagsmenge in Deutschland im Durchschnitt pro Jahr rund 70.000 Liter Wasser. Würde man diese Menge komplett nutzen, ergäbe sich daraus mehr als anderthalb Mal der Trinkwasserbedarf einer vierköpfigen Familie.